EU hat Pläne zu günstigeren Kreditkarten in der Schublade

Die Europäische Kommission möchte eine Gebührenreduktion bei Kreditkartengebrauch einführen. Dabei geht es ihr um die „Austauschgebühren“. Wenn ein Kunde seine Ware per Kreditkarteneinsatz bezahlt, löst er einen Geschäftsfall zwischen zwei Bankinstituten aus. Eine Bank zahlt an die andere einen bestimmten Betrag, nämlich den Kaufpreis. Nun ist es dabei in aller Regel so, dass die Verkäufer-Bank an die Käufer-Bank eine Austauschgebühr entrichtet, die den Aufwand des Geldtransfers ausgleichen soll. Diese Gebühr will die Kommission senken.

Was will sie damit erreichen?

Sie will den Endverbraucher entlasten. Die Überlegung ist: Wenn die Verkäufer Geldbeträge einsparen, dann werden sie das ihren Kunden zugutekommen lassen, und die Waren werden billiger. Die Austauschgebühr hängt vom Preis ab. Wenn jemand beispielsweise einen Artikel für einhundert Euro kauft, dann erheben die Kreditkartenfirmen Gebühren zwischen 30 Cent und zwei Euro – also in unterschiedlicher Höhe. Maestro ist z. B. günstig, Diners Club dagegen recht teuer.

Ist die Überlegung der EU überzeugend?

Die Kreditkartenbranche selbst zweifelt daran. Die Firmen werden bei Senkung der Austauschgebühren wahrscheinlich zu einer einfachen Maßnahme greifen: Sie werden die Gebühren, die jährlich für die Kreditkarteninhaber anfallen, hochsetzen. Das würde natürlich die Konsumenten treffen. Ein Anbieter, der bislang seine Kreditkarte noch zum Nulltarif vergibt, wird sich darüber hinaus überlegen, ob er sich das noch leisten kann.

Gibt es Beispiele?

Mastercard sagt: ja. Der Anbieter bezieht sich darauf, dass die spanischen Bürger genau diese Erfahrung gemacht haben. Sie mussten einen höheren jährlichen Gebührensatz für ihre Karten hinnehmen, nachdem in ihrem Land eine vergleichbare Maßnahme getroffen worden war. Aus der Kommission kommen dagegen kritische Einwände mit der Vermutung, dass der Kreditkartenbetreiber sich hierbei auf eine Erhebung beziehe, die nicht glaubwürdig genug sei.

Was will die Europäische Union genau?

Sie möchte, dass die Austauschgebühren bei Kreditkarten eine Höchstgrenze erhalten. Die soll bei 0,3 % des Warenpreises liegen. Für EC-Karten soll sie sogar nur bei 0,2 % angesiedelt werden. Zurzeit ist die Gebühr in den europäischen Ländern sehr unterschiedlich. Während die dänischen Banken bescheidene 0,1 % des Betrags verlangen, schlagen die deutschen Institute mit 1,8 % kräftig zu und stehen damit ganz oben an der europäischen Gebühren-Skala. Übrigens stehen in Europa die sehr beliebten Marken Mastercard und Visa an der Spitze. Beides sind amerikanische Betreiber. Mit 90 % sind sie absolut führend. Doch auch Kartenfirmen wie American Express und Diners Club finden Anhänger. Diese zwei würden nicht unter die Planung der EU fallen, denn sie tätigen ihre Finanz-Geschäfte, ohne dass sie Bankinstitute als Zwischenstationen brauchen. Ebenso würde Paypal ausgenommen werden.

Welche Vorteile hat der Verbraucher von Kreditkarten?

Der Verbraucher hat nur eine Abbuchung pro Monat, die seine Kreditkartenfirma vornimmt. Er kann also einige Wochen lang einkaufen, ohne eine unmittelbare Belastung auf seinem Konto zu haben. Das Shopping ohne Bares auf der Ladentheke wird immer beliebter. Die 508 Millionen europäischen Einwohner bringen es auf über 720 Millionen Karten, mit denen sie ihre Einkäufe ohne Scheine und Klimpergeld begleichen können. Darunter fallen auch die EC-Karten.